Neubau der Filialkirche

von Erich Willems, Rengen

 

Eigentlich wäre die Grundsanierung der alten, im Jahr 1756 gebauten bzw. erweiterten Kapelle oder der Bau einer neuen Kapelle für die Filiale Rengen schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts notwendig gewesen, denn die alte Kapelle war in ihrer Substanz über mehrere Jahre hinaus baufällig und für die Benutzung durch Kirchenbesucher nicht ungefährlich. In mehreren Sitzungen der Gemeindevertreter in den Jahren 1890 bis 1900 ist auf den schlechten Zustand der Kapelle hingewiesen worden und die Gemeinde hat über Jahre Rücklagen aus dem Erlös von Holzeinschlägen für notwendige Baumaßnahmen angesammelt.

 

Nachdem Pfarrer Johann Peter Schäfer (von 1886 bis 1902 in Daun) seinen Dienst in der Pfarrei St. Nikolaus beendet und nach Mettlach umgezogen war, hat sein Nachfolger Pfarrer Johann Schlicker die Pfarrei St. Nikolaus in Daun mit seinen Filialen übernommen. Pfarrer Schlicker war ein sehr rühriger und engagierter Geistlicher, der auch die bauliche Notsituation in der Filiale Rengen erkannt und schnell gehandelt hat.

 

Im Benehmen mit den Mitgliedern des Kirchenvorstandes von St. Nikolaus in Daun (Vertreter der Filiale Rengen Philipp Daun) und dem Gemeinderat von Rengen hat man sich entschlossen, eine neue und größere Kapelle zu bauen., denn es war seit vielen Jahren festgestellt worden, dass die alte Kapelle ohnehin zu klein war, um neben den Einwohnern von Rengen die oft vielen Pilger aufzunehmen, die zu den wöchentlichen Messen zu Ehren der hl. 14 Nothelfer in der Fastenzeit nach Rengen kamen um hier zu beten und Hilfe zu erflehen in eigenen und besonderen Anliegen.

 

Im Frühjahr 1903 ist die Kapelle wegen Baufälligkeit polizeilich geschlossen worden. Der letzte Gottesdienst in der alten Kapelle fand am Feste der hl. Agatha (05. Februar 1903) statt, der diese Kapelle neben dem hl. Kunibert als 2. Patronin auch geweiht war. Die gestifteten Messen, die alljährlich an den sechs Montagen in der Fastenzeit zu Ehren der hl. 14 Nothelfer gehalten wurden, mussten jetzt in Daun gelesen werden.

 

Um diesen Zustand zu beenden und nachdem genügend Geldmittel angesammelt waren, wurde das Büro der Dombaumeister und Architekten SCHMITZ & WIRTZ aus Trier mit der Planung der neuen Kapelle beauftragt. Die alte, baufällige Kapelle ist dann in den Monaten Februar/März 1903 von den Dorfbewohnern unter fachlicher Aufsicht  abgerissen worden. Vorher sind alle Wert- und noch brauchbaren Gegenstände (Altar, Statuen, Kreuzwegbilder, Bänke, usw.) gesichert und untergestellt worden.

 

Nach Abschluss der Planung und Feststellung der Finanzierungssicherheit sind im Juni 1903 die Bauarbeiten ausgeschrieben und vergeben worden. Die veranschlagten Kosten für den Neubau beliefen sich auf 17.000,- Mark. Zusätzlich hatte sich die Gemeinde verpflichtet, sämtliches Rohmaterial (Holz, Steine, Sand, Kalk, Schieferplatten, Hauwerkzeuge usw.) an Ort und Stelle zu liefern. Das war eine erhebliche Vorleistung, die oft mit vielen Schwierigkeiten verbunden war. Besonders das Herbeischaffen der Basaltsteine für den Sockel aus dem Steinbruch von Boverath (Im Leyen) und des Sandes aus den Gruben auf Weinfeld war bei den schlechten Verkehrswegen und vielfach schlechten Wetterbedingungen schwierig für die eingesetzten Viehgespanne zum Transport dieser Baumaterialien.

 

Am 17. Juni 1903 wurde mit der Ausschachtung der Fundamente begonnen und Ende Oktober war das Mauerwerk der im frühgotischen Stil geplanten und gebauten Kirche fertig. Der Turm und das Dachwerk wurden im Winter 1903/04 gezimmert und aufgesetzt.

 

Die neue Kapelle hat auf dem gleichen Grundstück auch eine andere Ausrichtung erhalten. Während der Chorraum der alten Kapelle nach Nordosten ausgerichtet war, zeigt die neue mit dem Chorraum mehr in südöstliche Richtung.

 

Der Neubau ist auf dem gemeindeeigenen Grundstück Bd. II Bl. 46, Flur Nr. 4 Größe 4,49 ar errichtet und mit Gemeinderatsbeschluss vom 25. März 1911 auf die Katholische Kirchengemeinde Daun, Kapelle Rengen unentgeltlich übertragen worden.

 

Laut Angabe von Lehrer Johann Schiffels in der Schulchronik von Rengen waren an dem Bau der Kirche beteiligt:

  • Erd- und Maurerarbeiten: Peter Brauer, Waldkönigen und Johann Marx, Betteldorf
  • Gewölbearbeiten: Facharbeiter aus dem Luxemburger Land
  • Pliesterarbeiten (Stuck und Putz): italienische Facharbeiter
  • Steinhauerarbeiten: P. Kuhl, Gees
  • Verzierungen unter den Gewölberippen: Firma Quirin, Steinhauermeister, Kyllburg
  • Zimmerarbeiten: Firma Jakob Fröhlich, Daun und Meister Ewertz, Nerdlen
  • Schreinerarbeiten: Peter Leyer, Rengen
  • Schlosserarbeiten: Karl Dix, Daun
  • Glaserarbeiten: Firma Binsfeld, Trier
  • Plattenbelag: Josef Wagner, Daun – Der Plattenbelag ist gestiftet worden von Pfarrer Johann Schäfer, Mettlach, vorher Pfarrer in Daun

Außenmaße der Kapelle

  • Länge 21,70 m, Breite 9,50 m, Höhe 14,00 m, Höhe bis zur Turmspitze 23,50 m.

Die Kosten des Neubaus wurden aufgebracht durch Sammlungen in der Gemeinde Rengen und dem Pfarrort Daun, sowie durch den Verkauf von Holz aus dem Gemeindewald und durch Spenden von verschiedenen Wohltätern. Nach Fertigstellung des Kirchleins verblieb noch eine Restschuld von 2.500,- Mark, die durch Aufnahme eines Darlehens bei der Kreissparkasse Daun von der Gemeinde abgedeckt und über Umlagen auf die Grund- und Gebäudesteuer von den Gemeindemitgliedern erhoben wurden.

 

An der Einweihungsfeier am 07. August 1904 mit Pfarrer Schlicker von Daun und Dechant Lerner von Neunkirchen hat das ganze Dorf und viele Gäste aus Nah und Fern teilgenommen. Die Feier wurde umrahmt von Choreinlagen durch den Männergesangverein Daun unter Leitung von Hauptlehrer Becker. Der erste Gottesdienst in der neuen Kirche wurde gehalten am 08. August 1904 und zelebriert von Pfarrer Schlicker.

 

Weil keine Geldmittel mehr vorhanden waren, mussten die alten Bänke wieder in der neuen Kirche aufgestellt werden. Die Figuren der hl. 14 Nothelfer wurden an den Innenwänden und an der Brüstung der Empore angebracht und die Bilder der Kreuzwegstationen ebenfalls an den Innenwandseiten.

Quelle: 100 Jahre Filialkirche St. Kunibert 1904 – 2004, ein Beitrag zur Ortsgeschichte von Erich Willems

 

Weiteres:

  • Einweihung des Friedhofes 14.07.1908
  • Errichtung der Sakristei Herbst 1920
  • Einweihung des Kriegerdenkmals 28.08.1921
  • Zentralheizung 1933 (Holz, Kohle) 1969 (Öl)
  • Errichtung der Friedhofsmauer Mai 1952
  • Verputz 1921, 1928
  • Renovierung Statuen, Hochaltar, Innenanstrich, Aufhängung der Statuen der hl. 14. Nothelfer am Altarraumbogen 1948
  • Senkung des Altarraumbodens um 20 cm, neue Terazzo-Platten, Wiederaufbau der Kommunionbänke, 3 Buntglasfenster im hinteren Altarraum, Anstriche 1956
  • Neue Krippenfiguren 1963
  • Innenanstriche 1963, 1979
  • Altarraum-Umgestaltung 1965 nach dem II. Vatikanischen Konzil (der Priester wendet sich nun der Gemeinde zu)
  • Außenanstrich 1969, 1984, 1999
  • Renovierung der Sakristei 1976
  • Liedanzeiger 1970
  • Orgel 1979 (elektronisch), Pfeifenorgel (Orgelweihe am 26.03.2000)
  • Bankpolster 1980
  • Dach- und Turmreparaturen 1981, 1990
  • Lautsprecheranlage 1983
  • Neue Bronzeglocke und elektrisches Läutwerk, Glockenweihe am 7.11.1982, 115 Kg, Durchmesser 58 cm, Schlagton F, Inschrift vorne: Ave Maria 1982, Abbildung hinten: Kruzifix und die Inschrift: Der Tod ist das Tor zum Leben - Hl. 14. Nothelfer - Rengen
  • Komplette Innenrenovierung 1993 - 1997
  • Fenstersanierung 1995